Feuilleton NDR Kultur - 12. Februar 2009

Neue CDs

Traumlicht

Chorwerke von Francis Poulenc, Hugo Wolf, Thomas Tallis, Zoltan Kodaly und anderen
Lords of the Chords

Vorgestellt von Petra Rieß

Stimmen können verzaubern. Und nicht nur Solisten. Vokalensembles erleben eine Renaissance und die namhaftesten füllen - ob Pop oder Klassik - ganze Hallen. Noch recht neu auf diesem Gebiet sind die zehn Lords of the Chords. Jetzt haben sie ihre erste CD veröffentlicht: "Traumlicht".

Götter zum Vorbild

Sie wohnen im Olymp der Harmonie - die Lords of the Chords. Auf der Suche nach dem perfekten Klang sind diese zehn "Götter der Akkorde", wie sie sich selbstironisch nennen, unterwegs auf den irdischen Feldern der Musikgeschichte ausgestattet mit der Magie professionell ausgebildeter Stimmen. Und die wissen sie einzusetzen, wenn es gilt, unschuldige Ohren zu betören. Mit Darius Milhaud beginnt der Zauber - geistliches Repertoire aus dem frühen 20. Jahrhundert in südfranzösischem Farbenspiel. Auf ihrer Reise durch Kontinente und Zeiten durchmessen die Lords mehrere Jahrhunderte: Francis Poulenc, Hugo Wolf, Thomas Tallis oder Zoltan Kodaly heißen nur einige ihrer 21 Stationen. Geistliches, Weltliches und sogar für a capella arrangierte

Popsongs haben sie ausgewählt - und sich dabei noch weit größere Götter zum Vorbild genommen: Die legendären King's Singers aus England - ein Ensemble, das seit Jahrzehnten mit seinem Gesang Ekstase auslösen kann. Ähnliches also wollen die Lords of the Chords. Und warum nicht nach den Sternen greifen - die ja manchmal gar nicht so weit weg sind. Dabei kann man erfolgreich eigene kleine Planeten besiedeln.

Gemeinsame Entscheidungen

Schräge Volksmusik schreckt die zehn Sänger nicht, im Gegenteil: Da lassen sie - bei perfekter Intonation und Homogenität - auch mal die Zügel schießen, die sie sonst oft zu streng in Händen halten. Sie sind Profis, kommen aus ganz Deutschland und agieren normalerweise in europäischen Spitzenensembles, wie dem Kammerchor Stuttgart, dem SWR Vokalensemble oder dem Vokalensemble Gent. Seit fünf Jahren sind sie als A-capella-Ensemble Lords of the Chords unterwegs. Ohne künstlerischen Leiter, alle Repertoireentscheidungen werden gemeinsam getroffen.
Ihre Debüt-CD haben die Lords "Traumlicht" benannt, nach dem Rückert Gedicht in der Vertonung von Richard Strauß. Und man folgt ihrem Traum gerne: in die unschuldigen Welten eines israelischen Volksliedes, zu den scharf schillernden Akkorden eines Norwegers, und man fiebert mit, wenn die Zehn ihre stimmlichen Möglichkeiten ausloten, den Altus etwa in höchste Höhen jagen und den Bass tief in die Unterwelt steigen lassen. Und man freut sich auf ihre nächste CD.