Rheinpfalz - 3. April 2009

"Traumlicht"

Der CD-Erstling der „Lords of the Chords“ liegt vor – Vokalensemble mit tragenden Säulen aus der Südpfalz

Fünf Jahre nach seinem ersten Konzertauftritt präsentiert das Männer-Ensemble „The Lords of the Chords“ jetzt eine erste CD, produziert beim Hamburger Label „Charade“, und zwar in formidabler technischer Güte, wie man gleich vorausschicken darf.

Die programmatische Auswahl der 21 Stücke mutet nur auf den ersten Blick an wie ein Parforce-Ritt durch Epochen und Stile – inWahrheit bietet sie in ihrer sehr organisch arrangierten Abfolge von Elegie und Heiterkeit, Klangbild und Bravourstück, Alter und Neuerer Musik, geistlichen und weltlichen Inhalten, Populärem und Rarität ein kontrastreiches und überaus kurzweiliges Hörvergnügen – eine erlesene Perlenschnur, durchweg aus Kostbarkeiten der A-cappella- Literatur geknüpft. Nicht zuletzt dokumentiert sie eindrucksvoll das offenbar grenzenlose stilistische Spektrum, über das die zehn Stimmkünstler unangestrengt und geradezu lustvoll gebieten.
Klanglich fasziniert einmal mehr das lupenreine, in sich vollkommen homogene, dabei immens wandlungsfähige Erscheinungsbild des Ensembles. Zwischen den Extremen, den leuchtenden Diskant-Registern von Jochen Patscheke (Counter) und Daniel Schreiber (Tenor) und der erdigen, sonoren Grundierung durch die Bässe Joe Roesler und Marcus Stäbler spannen

die Tenöre Maurice Croissant, Henning Jensen, Florian Schmitt mit den Baritonen Tobias Brommann, Frederik Diehl und Philip Niederberger einen differenzierten Stimmfächer auf; alles wirkt transparent, solistisch souverän vorgetragen, dabei gerundet und subtil untereinander „ausgehört“. Mehr noch als bei Live-Auftritten unterliegen im Studio präzise Diktion, klare Artikulation, aber auch interpretatorische Detailarbeit einem gnadenlosen Diktat. Dies leisten die „Lords“ wirklich hochprofessionell, ohne dass Charisma und spielerischer Schwung dabei verloren gingen.
Milhaud, Poulenc und Duruflé faszinieren da ebenso in ihrer kontemplativen Stringenz wie die schmerzhaft expressive Intensität der Hugo- Wolf-Lieder oder das innige (Titel gebende) „Traumlicht“ von Richard Strauss. Temperamentvoll und virtuos inszeniert kommen dagegen das Engelbrecht-Arrangement von „Ein Jäger längs dem Weiher ging“ und „Des Teufels Ritt“ von August Kubizek daher.
Die witzige Stimm-Akrobatik des finnischen „Pseudo-Yoik NT“ (Mäntyärvi) lässt einen beim bloßen Zuhören den Atem stocken und mit „Take 6“- und Bee-Gees-Reminiszenzen grooved es unwiderstehlich.
Im kleinen Kaleidoskop der Renaissance- Madrigale beeindruckt gerade das sattsam bekannte „Innsbruck“ von Heinrich Isaac, das, dergestalt licht und wunderbar unprätentiös zelebriert, reinen Schönklang verströmt.
Unbedingt zu erwähnen ist das sorgfältig gestaltete Booklet mit knappen, hilfreichen Hinweisen zur Werkauswahl aus der Feder von Marcus Stäbler.

Gertie Pohlit, Rheinpfalz vom 3. April 2009