Stuttgarter Zeitung - 9. März 2009

Zehn in Harmonie

"Traumlicht" heißt die beim Label Charade erschiene Debüt-CD des weitgehend unbekannten Vokalensembles Lords of the Chords, dessen etwas keck gewählter Name als Anleihe an die Tradition der weltberühmten King's Singers eher an eine spontane Partyidee denken lässt als an eine Gruppe seriöser Sänger. Vielleicht ist es gerade die Ungezwungenheit einer durch und durch professionellen musikalischen Freiwilligkeit, weshalb die zehn Herren in ihrer Tour durch die Genres - ob Richard Strauss oder Bee Gees - prächtig überzeugen.
Bereits bei Francis Poulencs "Seigneur, je vous en prie" ist anrührend hörbar und fortan klar gestellt, was die selbst ernannten Lords tatsächlich

in der Kehle haben, wie gut sie aufeinander hören und reagieren, wie versiert und umsichtig jeder Einzelne seine Stimme beherrscht und wieviel musikalische Verve wie Reife ihrer gemeinsamen Interpretation zugrunde liegen. Bis in die weithin unbekannten Vokaltechniken skandinavischer Yoik-Tradition preschen sie vor und setzen unbefangen um, was der Komponist Jaakko Mäntyjärvi ihnen anbietet.
Hier musiziert ein ausdrucksstarkes Ensemble, das sich einig ist über Vokalformung, Dynamik und selbst bei innigen Tönen nie seinen Obertonreichtum opfert. Die Lords of the Chords sind zu gut, um ein Phantom im Konzertgeschäft zu bleiben.

Götz Thieme, Stuttgarter Zeitung vom 9. März 2009