"Gott und die Welt"

„Gott und die Welt“, so der überaus treffende Titel des neuen Programms der „Lords of the Chords“, das die zehn Sänger am Freitag in der Marktkirche in Bad Bergzabern präsentierten. Gemäß dem übergreifenden Thema „Liebe“, wurde der programmatische Ablauf, trotz der extrem kurzen Vorbereitungszeit, mit ebenfalls sehr viel Liebe zum Detail zusammengestellt.

Die erste, geistliche Hälfte des Konzertes, stellte eine symmetrische Anordnung französischer Chorwerke dar. Die Spiegelachse, Maurice Duruflés „Notre Père“ (Vater Unser) wurde umschlossen von je zwei der „Quatre petites prières de Saint François d'Assise“ (vier kurze Gebete des heiligen Franz von Assisi) von Francis Poulenc, zusammen bildeten sie den a cappella- Kern dieses Teils.
Umgeben wurde dieser Kern von Werken für Männerchor und Orgel, so bildeten Kyrie und Agnus Dei aus der „Messe no. 5 aux séminaires“ von Charles Gounod die Ecksätze des geistlichen Programmteils und umrahmten die beiden Preisungen „Ave Maria“ von Gabriel Fauré und Florent Schmitts „Virgo Gloriosa“. Solche Werke, wie sie von den „Lords of the Chords“ da vorgetragen wurden, verlangen den Interpreten differenzierte Dynamik und höchste intonatorische Präzision ab, eine Herausforderung die das Ensemble, neben einer exzellenten Textverständlichkeit, mit Bravour meisterte.
Im Gegensatz zur ersten

Konzerthälfte, folgte der weltliche Teil einer fast chronologischen Ordnung. Drei Madrigalen aus der Renaissance, bei denen ja schon gattungsgemäß der expressive emotionale Ausdruck im Vordergrund steht, folgten drei Volksweisen aus Schweden, darunter „Och jungfrun hon går i ringen“ von Hugo Alfvén, hierzulande unter dem Titel „Zum Tanze da geht ein Mädel“ bekannt. Nach einer beeindruckend gefühlvollen Interpretation von Richard Strauss‘ „Liebe“ folgten die für Männerchor arrangierten Popsongs, nur mehr das I-Tüpfelchen für das ohnehin schon begeisterte Publikum. Von „Caravan of Love“, dem wohl bekanntesten Werk der Popularmusik für a-cappella-Ensemble aus den 80-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, spannte sich der Bogen über „How Deep is your Love“ von der legendären Gruppe „Bee Gees“ bis zu Joe Jacksons Klassiker „Is She Really Going Out With Him“. Hier waren die Zuhörer in der voll besetzten Marktkirche in Bad Bergzabern leider nicht mehr vom Mitklatschen abzuhalten und daraufhin der Chor unglücklicherweise nicht mehr zu hören.
Nur ein Männervokalensemble auf solch hohem musikalischem Niveau wie die „Lords of the Chords“, deren Mitglieder aus der ganzen Republik und der Schweiz, aber zum Teil eben auch aus der Region gehören, ist in der Lage, ein derart vielfältiges und anspruchsvolles Programm in höchster Qualität aufzuführen.

Rheinpfalz vom 16. Januar 2006