Walzer-Spaß und Weihnachtslieder

Das „Rennquintett“ und die „Lords of the Chords“ stimmen in der Hambacher Pauluskirche in bester Weise auf Weihnachten ein

NEUSTADT-HAMBACH. Obwohl eigentlich ein „Festliches Weihnachtskonzert“ auf dem Programm stand, ließen es die Musiker des „Rennquintetts“ bei ihrem Auftritt am Samstag in der Hambacher Pauluskirche nicht an einer gehörigen Portion Humor fehlen, um ihr Publikum in dem bis auf den letzten Platz vollbesetzten Gotteshaus angenehm zu unterhalten und auf die Feiertage einzustimmen.

Mit einem 260 Jahre alten Evergreen, der „Feuerwerksmusik“ von Georg Friedrich Händel, eröffneten die Blechbläser, begleitet von Maurice Croissant an der Kirchenorgel, einen Abend, der geprägt war von musikalischem Hochgenuss und spaßigen Showeinlagen. Als Gäste hatte das Quintett die „Lords of the Chords“ mitgebracht, einen seit seiner Gründung im Jahre 2004 äußerst erfolgreichen Männerchor, der in Hambach als Oktett auftrat. Ähnlich wie ihre großen Vorbilder, die englischen „King‘s Singers“, verfügen die Lords über ein sehr breitgefächertes Repertoire und sind deshalb die idealen Partner für das „Rennquintett“, dessen musikalisches Spektrum ja ebenfalls von Klassik bis Jazz und von Bach bis Blues reicht.
Mit einem Stück der erwähnten „King‘s Singers“ gaben alle 13 Musiker gleich zu Beginn das Motto des Konzerts bekannt: „Joy To The World“. Bereits bei diesem Titel zeigte sich, welch tolle Sänger die Lords in ihren Reihen haben, und die Instrumente der „Rennquintett“-Trompeter Uwe Zaiser und Peter Leiner schmetterten dazu lautstark ihre Freude hinaus. Einer weiteren musikalischen Kooperation, „Hodie Christus Natus Est“, folgte mit „Maria durch den Dornwald ging“, eine A-capella- Einlage des Chores, bei der sich besonders der in Neustadt geborene Tenor Daniel Schreiber hervortat.
Nachdem das Gesangs-Ensemble die Bühne für die Instrumentalisten freigemacht hatte, folgten vier Sätze einer Sonate von Joseph Bodin du Boismortier, einem 1689 im lothringischen Thionville geborenen

Komponisten, der mit ständig neuen, seichten Kompositionen den Massengeschmack seiner Zeit bediente und dabei recht viel Geld verdiente. „Es war also damals schon nicht anders als heute“, bemerkte Moderator Peter Leiner dazu augenzwinkernd. Das „Rennquintett“ erwies sich bei der entgegen der Ankündigung dann doch recht anspruchsvollen Boismortier- Sonate als kleine Big-Band und bestätigte gleichzeitig, dass die einzelnen Gruppenmitglieder aufgrund ihres großen Könnens zu Recht als Solobläser des SWR-Rundfunkorchesters und der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz beschäftigt sind.
Dem Ausflug ins Barock folgte das weihnachtliche „O Little Town Of Bethlehem“, wieder mit den Lords, bevor diese schließlich den Titelsong ihrer neuen CD „Traumlicht“ und „Seigneur, Je Vous En Prie“ von Francis Poulenc vorstellten. War bisher alles noch recht ernsthaft zugegangen, ging es nun über zum heiteren Teil des Abends: Das „Rennquintett“ ergänzte Tschaikowskys „Blumenwalzer“ aus der „Nussknacker- Suite“ mit ein paar von dem Komponisten nicht beigefügten Gewächsen, etwa einem „kleinen grünen Kaktus“. Und da die Fünf nun schon mal dabei waren, ließen sie gleich vier Weihnachtslieder in ebenfalls ungewöhnlichen Arrangements folgen.
Im Wechsel kamen jetzt wieder die Lords, unter anderem mit dem Gospel „If We Never Needed The Lord Before“, nicht zuletzt durch die hervorragende Stimme des Altisten Jochen Henrik Patscheke einer der Höhepunkte des Konzertabends. Das grandiose Finale begann dann mit einer sehr beschwingten Schlittenfahrt („Sleigh Ride“), bei der Uwe Zaiser mit der Trompete sogar das imaginäre Zugpferd wiehern ließ, und endete mit „Tochter Zion“, bei der auch das Publikum zum Mitsingen aufgefordert war. Dem begeisternde Applaus folgten mehrere Zugaben: „O Come All Ye Faithful“, besser bekannt als „Adeste Fideles“ und eine besondere Version von „Jingle Bells“, zu der die Musiker ihrem Ober-Spaßvogel Uwe Zaiser ein Halsband mit Glöckchen umbanden. Das gleiche Konzert ist heute Abend um 20 Uhr auch in der protestantischen Stadtkirche in Edenkoben zu erleben.

Hans Kraus, Rheinpfalz vom 22. Dezember 2008